Mehr als zehn Jahre nach dem Dieselskandal bei Audi ist gestern die juristische Aufarbeitung vor dem Landgericht München II in die nächste Runde gegangen. Zum Prozessauftakt wies der frühere Entwicklungsvorstand des Ingolstädter Autobauers die Vorwürfe der Anklage zurück. Laut Staatsanwaltschaft soll er von der manipulierten Software bei Abgasmessungen gewusst und die Produktion trotzdem genehmigt haben. Neben dem Entwicklungsvorstand gibt es im Prozess noch drei weitere Angeklagte, ein anderer Ex-Vorstand, ein Bereichsleiter und ein ehemaliger Hauptabteilungsleiter, insgesamt 50 Verhandlungstage sind angesetzt.
Der Schaden und die Zahl der Betrugsfälle ist für jeden Angeklagten unterschiedlich. Die Fallzahlen liegen bei bis zu 430.000 Fahrzeugen, die Schäden reichen von mehreren Millionen bis hin zu mehr als 3 Milliarden Euro. Bei Hackenberg nennt die Anklage rund 239.000 Fahrzeuge und rund eine Milliarde Euro. Der Dieselskandal hatte 2015 die Autobranche erschüttert. Damals wurde bekannt, dass der VW-Konzern, zu dem auch Audi gehört, bei Millionen Autos unzulässige Software eingesetzt hatte, die Abgastests verfälschte. Auf Prüfständen funktionierte die Abgasreinigung, im normalen Straßenverkehr stießen die Fahrzeuge deutlich mehr Schadstoffe aus.